DEUTSCHLAND
Sueddeutsche Zeitung
[Why it is so difficult for the Catholic Church to admit abuse? Cardinal George Pell is back in his native Australia. A short film sequence showing how coming from Singapore he is led by police officers and security guards to a white limousine at Melbourne airport. Cardinal Pell, the quasi-finance minister of the pope, one of the most powerful men in the Vatican, is to answer the question before a court in Melbourne next Wednesday.
The accusation: “historical sexual assaults”.What exactly is meant by this is unclear. For several years now, men have been publicly reported and reported that Pell had committed abuse. The Australian judiciary considers this to be serious enough to initiate proceedings. And Pope Francis gave the cardinal the “permission for a time-out”.
There is no end in sight in the scandal surrounding the sexual abuse of children and adolescents in the Catholic Church.]
Von Matthias Drobinski
Kardinal George Pell ist zurück in seiner australischen Heimat; eine kurze Filmsequenz zeigt, wie er, von Singapur kommend, auf dem Flughafen von Melbourne von Polizisten und Sicherheitsleuten zu einer weißen Limousine geleitet wird. Es hat ja nicht das Heimweh den 76-Jährigen dazu gebracht, die lange Reise von Rom um die halbe Welt auf sich zu nehmen. Kardinal Pell, als Quasi-Finanzminister des Papstes einer der mächtigsten Männer im Vatikan, soll kommenden Mittwoch vor einem Gericht in Melbourne Rede und Antwort stehen. Der Vorwurf: “historische sexuelle Übergriffe”.
Was genau damit gemeint ist, bleibt unklar. Seit einigen Jahren gehen immer wieder Männer an die Öffentlichkeit und berichten, Pell habe sich an ihnen vergangen. Die australische Justiz hält dies für schwerwiegend genug, um ein Verfahren einzuleiten. Und Papst Franziskus hat dem Kardinal die “Erlaubnis für eine Auszeit” gegeben. Seine Ämter in Rom ruhen.
Es ist kein Ende abzusehen im Skandal um den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche. Vor 15 Jahren brachten die Reporter des Boston Globe ans Tageslicht, wie der Priester John Geoghan Schuljungen sexuelle Gewalt antat und seine Kirchenvorgesetzten ihn deckten. Vor sieben Jahren gingen in Berlin die Opfer zweier Priester des Canisius-Kollegs an die Öffentlichkeit und lösten in Deutschland eine Welle der Enthüllungen aus, in allen Bistümern, in Internaten wie in Ettal – oder eben bei den Regensburger Domspatzen. Der schonungslose Abschlussbericht, den nun der Rechtsanwalt Ulrich Weber vorgelegt hat, ist einer der Belege dafür, dass die katholische Kirche sich auf den für sie schmerzhaften Weg der Aufarbeitung gemacht hat – nachdem anfangs viele Vertreter das Ausmaß der Verfehlungen leugneten.
Das ist vorbei. Es gibt nun einige Untersuchungen, die sich der Frage nähern, warum es gerade in der katholischen Kirche so viele Fälle sexueller Gewalt durch Priester und Kirchenmitarbeiter gab. Da war das Bild der heiligen Kirche, das nicht beschmutzt werden durfte, weshalb Täter geräuschlos versetzt und Opfer mundtot gemacht wurden. Da war der Männerbund, in dem man komplizenhaft über Zölibatsverstöße schwieg, war die Überforderung der Patres in den Internaten. Da waren aber auch Eltern, die alle Hilferufe ihrer Kinder überhörten und Klassenkameraden, die Teil des gewalttätigen Systems waren. Die katholische Kirche hat Opfer entschädigt. Sie hat Täter ihrer Ämter enthoben, Präventionsprogramme aufgelegt – an der päpstlichen Universität Gregoriana gibt es nun ein eigenes Zentrum für Kinderschutz. Manchmal hört man Kirchenvertreter grummeln: Jetzt könnte man mal die alten Geschichten zu den Akten legen.
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