DEUTSCHLAND
Frankfurter Allgemeine
[Sadists in the spiritual garb: The final report on the abuse cases in the Regensburg choir testifies to the incalculable physical and sexual violence inflicted on the children by priests, teachers and educators.]
Der Abschlussbericht zu den Missbrauchsfällen bei den Regensburger Domspatzen zeugt von unfassbarer körperlicher und sexueller Gewalt, die den Kindern von Priestern, Lehrern und Erziehern angetan wurde. Die Kirche hatte lange Zeit nur Ignoranz für die Opfer übrig.
18.07.2017, von ALBERT SCHÄFFER, MÜNCHEN
Mehrfach hat Ulrich Weber am Dienstag bei der Vorstellung des Abschlussberichts zu den Missbrauchsvorwürfen bei den Regensburger Domspatzen Fragen damit beschieden, sie ließen sich nicht in zwei oder drei Sätzen beantworten. Der Bericht des Regensburger Anwalts, der als unabhängiger Ermittler eingesetzt war, umfasst 440 Seiten – doch auch sie reichen nicht aus, um ein Geschehen zu begreifen, das ein Fanal für die katholische Kirche ist. Sie setzte über Jahrzehnte in einer ihrer renommiertesten Erziehungsinstitutionen Kinder und Jugendliche einer unfassbaren körperlichen und sexuellen Gewalt von Priestern, Lehrern und Erziehern aus. Und sie begegnete lange Zeit Opfern, die den Mut fanden, ihr Schicksal zu offenbaren, mit „Ignoranz und Desinteresse“, wie Weber es in seinem Bericht nennt.
Der Bericht kann nicht ohne Statistiken auskommen: Mit mindestens 547 gibt der Ermittler die Zahl der Opfer an, die nach 1945 bis in die neunziger Jahre in der Vorschule und dem Gymnasium der Domspatzen geschlagen oder sexuell missbraucht worden seien. Die Dunkelziffer schätzt er weit höher ein. Es sind Zahlen, hinter denen sich beklemmende Einzelschicksale verbergen. „Meine fröhliche Kindheit endete, als meine Eltern mich am ersten Schultag der 3. Klasse in dem Internat in Etterzhausen zurückließen“, wird eines der Opfer in dem Bericht zitiert. Von da hätten die Erzieher „uneingeschränkt Gott“ gespielt: „Angst ist bis heute mein ständiger Begleiter“.
Note: This is an Abuse Tracker excerpt. Click the title to view the full text of the original article. If the original article is no longer available, see our News Archive.